Heimstatt Esslingen e.V.
         
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Wohnprojekt für Frauen

Ein Zuhause geben – ein Wohnprojekt für Frauen
 
Heimstatt Esslingen e.V. hat im September 2017 in Kooperation mit dem Frauenrat Esslingen dieses neue kleine Projekt gestartet. » Den Flyer finden Sie hier

Ein Wohnprojekt für Frauen – Entwicklung, aktueller Stand und weitere Planung

Doris Ayena, Mitarbeiterin von Heimstatt Esslingen e.V. hat bei Ihrer Arbeit in den städtischen Notunterkünften, sogenannten Obdächern, im Landkreis Esslingen viele Frauen mit Kindern kennengelernt, deren größtes Problem die Wohnungslosigkeit ist.

Meist haben diese Frauen die Familienwohnung mit einem oder mehreren Kindern verlassen, um der Gewalt durch den Mann zu entgehen. Sie finden auf dem Wohnungsmarkt keine eigene bezahlbare Wohnung. Die Folge ist, dass sie mit dem Kind oder den Kindern in einem kleinen Zimmer leben und Küche und Bad mit anderen Menschen in einem Obdach teilen. Dies wirkt sich meist auch sehr negativ auf die Entwicklung der Kinder aus.

Doris Ayena hat dieses Thema im Sommer 2017 in den Frauenrat Esslingen eingebracht. Andere Frauen berichteten folgendes:

Die große Wohnungsnot macht sich auch in den Frauenhäusern extrem bemerkbar. Frauen müssen mit ihren Kindern länger als nötig im Frauenhaus bleiben. Trotz Stabilisierung, Klärung ihrer Situation und neuer Kraft für eine gewaltfreie Zukunft können die Frauen nicht ausziehen, weil sie keine bezahlbaren Wohnungen finden.

Das wiederum hat zur Folge, dass Frauen mit und ohne Kinder, die dringend Schutz und Sicherheit eines Frauenhauses bedürften, keinen Platz in einem Frauenhaus finden können. In Esslingen mussten im Jahr 2016 z.B. fünfmal so viele Frauen und Kinder abgewiesen werden wie aufgenommen werden konnten, weil alle Frauenhäuser in Baden-Württemberg voll belegt waren.

Zudem müssen die Kolleginnen der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen e.V.“ immer wieder erleben, dass Frauen mangels neuer Wohnalternative in einer Gewaltbeziehung ausharren.

In den Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen wird in Beratungen immer wieder thematisiert, dass der Mangel an ausreichend großem Wohnraum und die aktuelle Wohnungsmarktlage ein gewichtiger Grund für einen Schwangerschaftsabbruch sind.


In dieser Zeit häuften sich Presseberichte, dass in Esslingen (wie auch bundesweit) immer mehr ältere Frauen, die allein in großen Wohnungen oder Häusern leben, Probleme damit haben.

Meist sind die Kinder schon lange ausgezogen, der Mann ist verstorben. Zurück bleibt eine Frau, die die große Familienwohnung oder das eigene Haus - ihre vertraute Umgebung - nicht verlassen möchte.

Einige der älteren Frauen sind einsam, manchmal fehlt ihnen nur ein bisschen Ansprache oder das Gefühl, dass eine Person in der Nähe ist. Oder sie möchten einfach nicht allein leben.

Oft können sie die Kosten für ihren Wohnraum nicht mehr bezahlen oder auch für dessen Instandhaltung und Sauberkeit nicht mehr allein sorgen. Sie würden gern finanziell als auch bei manchen Tätigkeiten entlastet werden.


Daraus entwickelte sich das Projekt „Wohnraum teilen – Vorteile für beide“
In Kooperation mit dem Frauenrat Esslingen und durch Unterstützung von EHAP (Europäischer Hilfsfonds der besonders von Armut betroffenen Personen) haben wir im September 2017 eine Koordinations- und Begleitungsstelle eingerichtet, die Frauen mit zu groß gewordenem Wohnraum und wohnraumsuchende Frauen mit und ohne Kinder zusammenbringen sollte, um Wohnungen und Häuser zu teilen, damit beide Seiten davon profitieren.

Die Idee war, dass Doris Ayena vom Heimstatt-Team alle Beteiligten in der aktuellen Situation aufsucht und überlegt, welche Erwartungen und Vorstellungen der jeweiligen Parteien gut zusammenpassen könnten. Dann vereinbart sie einen ersten Termin zum Kennenlernen der beiden Frauen. Hier können alle aufkommenden Fragen geklärt werden. Es kann auch weitere Treffen geben, wenn es gewünscht wird.

Die Zeit vor und nach dem Zusammenziehen wird professionell begleitet.
Es werden besonders in der Anfangszeit viele Fragen und Unsicherheiten entstehen. Anträge bei Ämtern müssen gestellt werden und technische Probleme wollen geklärt sein. Die beiden Frauen werden hier nicht allein gelassen, sondern es wird ihnen Unterstützung angeboten.

Viele lassen Wohnraum lieber leer stehen, aus Angst vor „Fremden“ oder vor dem „Papierkram“, der durch Vermietung entsteht. Deshalb versprechen wir, die Frauen deshalb nicht damit allein zu lassen und sie in allen Bereichen zu unterstützen.


Ziele des Projekts:
Wenn die Vermittlung und das Zusammenleben gelingen würden, hätte die Frau mit zu großem Wohnraum zum einen wieder mehr Geld zur Verfügung. Zum anderen könnte sie in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben, wo sie sich gut auskennt und zuhause ist. Alltagserledigungen (Kehrwoche, Putzen, ggf. Gartenarbeiten, vielleicht den Einkauf) würde sie mit der anderen Frau teilen können.
Letztlich würde eine Frau in ihrer Nähe sein, mit der sie mal ein bisschen schwätzen könnte und die danach schaut, ob alles in Ordnung ist.

Die wohnungssuchende Frau hingegen fände eine Wohnung oder ein Zimmer. Dadurch könnte sie wieder einem geregelten Alltags- und Berufsleben nachgehen. Sie würde sich verantwortlich für den Wohnraum und den Kontakt zu ihrer Nachbarin fühlen.

Das Kind könnte zur Schule oder in den Kindergarten gehen und sich gut und beschützt entwickeln.


Umsetzung:
Doris Ayena hat mit Öffentlichkeitsarbeit angefangen, um möglichst viele Frauen zu erreichen, die zu großen Wohnraum haben. In der Hoffnung, dass sich Menschen als MultiplikatorInnen anbieten, um älteren Frauen von diesem Projekt zu erzählen und Kontakt zu uns herzustellen, haben wir uns an die Presse gewandt. Bis März 2018 gab es einen Bericht in der Esslinger Zeitung, in der Zwiebel, in der Zeitschrift der Baugenossenschaft und im Radiosender SWR 3.

Außerdem ist sie in alle Arbeitskreise und zu allen KooperationspartnerInnen gegangen, die mit den beiden Personenkreisen zu tun haben, hat diese mit Informationen, Flyern und Plakaten versorgt.

Unglaublich viele Frauen haben sich gemeldet, die sich in der oben beschriebenen Notlage befinden. Es stehen wenige Frauen ohne Kind, aber sehr viele mit einem bis zu vier Kindern auf der Warteliste.

Bis Herbst 2018 haben wir drei abgeschlossene Mietwohnungen mit eigenständigem Mietvertrag angeboten bekommen. Es sind zwei Frauen mit kleinen Kindern und eine Frau ohne Kind eingezogen.

Das Zusammenleben im gemeinsamen Wohnraum kam, obwohl es hier und da wenige Angebote gab, leider nicht zustande. Die Vorbehalte auf beiden Seiten waren zu groß.
So haben wir im Herbst 2018 beschlossen, das Projekt umzubenennen.

„Ein Zuhause geben“ bekam ein neues Plakat und einen neuen Flyer und wurde wieder öffentlich gemacht, in dem nur noch nach abgeschlossenen Mietwohnungen gesucht wird für Frauen mit und ohne Kinder, die kein Zuhause haben. Das Begleitungs- und Betreuungsversprechen gilt weiterhin wie beim ersten Projekt.

Es konnten seitdem drei weitere Mietverhältnisse vermittelt werden. Zwei Frauen mit jeweils einem Kind konnten in Wohnungen mit eigenem Mietvertrag einziehen. Der dritte Vertrag kam in letzter Minute nicht zustande, die Mieterin erschien nicht und daraufhin zog die Vermieterin ihr Angebot auch zurück. Eine vierte 1-Zimmer-Wohnung konnte nicht vermittelt werden, weil es im Pool der wohnungsuchenden Frauen keine passende Frau gab.

Die Akquise und Besichtigung von Wohnungen,
die Beratung der VermieterInnen,
die Vernetzung mit KooperationspartnerInnen, die wohnungslose Frauen kennen,
das Kennenlernen der potentiellen Mieterinnen,
die Entscheidung, wer zu wem passt,
das Zusammenführen und Begleiten der Kontakte,
die Durchführung der versprochenen Begleitung von Mieterinnen und VermieterInnen
brauchen Zeit.

Seit das EHAP-Projekt Dezember 2018 zu Ende ging, hat Doris Ayena kein Arbeitszeitkontingent mehr für diese Arbeit.

Und so empfindet sie es als unbefriedigend, dass oft der Pool der angebotenen Wohnungen und der Pool der suchenden Frauen zu klein sind, als dass sie befriedigende Vermittlungen durchführen kann.

So hatten das Beratungsteam des Projekts (Frau Spurk, Sozialplanerin des LRA Esslingen, Barbara Straub, Referatsleiterin Chancengleichheit der Stadt Esslingen, Ralf Brenner Geschäftsführer Heimstatt Esslingen e.V.) Anfang August die Idee, das Projekt mit 15% Arbeitszeitkontingent für zwei Jahre zu versehen. 10% für Doris Ayena und 5 % für Dagmar Bahr, die bei Heimstatt in der Verwaltung arbeitet, sehr interessiert an dem Projekt ist und in Esslingen gut vernetzt ist.
Wir benötigen hierfür ca. 11000,- €/Jahr an Personalkosten, um die Stellenanteile zu finanzieren.

Dies ist inzwischen genehmigt und kann im Oktober wieder richtig starten.

Und wenn sie Wohnraum anbieten können, melden Sie sich bitte bei

Doris Ayena
0170-5898204
Doris.ayena@heimstatt-esslingen.de

 
 
 

Frauen ein Zuhause geben
Zelte am Fischbrunnen – da ist die Neugier der Bummelnden am Samstagmorgen schnell geweckt.
Im Rahmen der Esslinger Frauenwochen zum Equal-Pay-Day sorgte die Aktion mit den Zelten für Aufmerksamkeit. Frauen des Arbeitskreises Alleinerziehende und des Frauenrats kamen mit den Passanten und Passantinnen ins Gespräch zum Thema Wohnungslosigkeit und Armut. Wie das Wetter war auch die Stimmung sonnig und aufgeschlossen.

Aktion am 23. März 2019

Hören Sie dazu
» SWR3-Radiobeitrag 1
» SWR3-Radiobeitrag 2